Döstädning – was ist das jetzt wieder?

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Meine Kollegin Silke Schaubhut aus Freiburg hat eine ganz persönliche Antwort für Euch:

Döstädning oder Swedish Death Cleaning – etwas, das es schon immer gab, aber jetzt hat es einen Namen.

Als sich meine Tante vor über 40 Jahren freiwillig aus diesem Leben stahl, hat sie vorher umfangreiche Vorkehrungen getroffen. Sie wollte ihrer Familie mit ihrem Tod sowenig Unannehmlichkeiten bereiten wie möglich. Also hat sie in Kisten zusammengepackt was sie an Freunde verschenken wollte. Alles schön beschriftet. Darüber hinaus hinterließ sie detaillierte schriftliche Anweisungen. Perfekter könnte man keinen Umzug vorbereiten. Auch wenn es, wie in diesem Fall, der letzte war.

Auch bei meiner Großmutter erinnere ich mich, das sie einige Jahre bevor sie starb, ihr Haus gründlich aufräumte. Sie gab wirklich alles weg, was sie nicht brauchte. Heute würde man dies Minimalismus nennen. Geschirr gab es nur noch für zwei Personen. Die Schränke waren so gut wie leer. Als das Haus verkauft wurde, hatten wir mit dieser Wohnungsauflösung im Grunde keine Arbeit mehr.

Nun, man muss es nicht ganz so übertreiben. Es ist auch gar nicht nötig, so lange mit der Bestandsaufnahme der eigenen Habe zu warten, bis man sich auch mit dem eigenen Tod beschäftigt.

Immer wieder gibt es Lebensabschnitte, die einen dazu auffordern können, sich von Ballast zu befreien. Wer sich von altem Ballast befreit, kann leichter und freudiger auf einen neuen Lebensabschnitt zugehen: die Kinder sind aus dem Haus – man ordnet sich neu in seinem Zuhause. Beziehungen gehen zu Ende – traurige oder schlechte Erinnerungen sollten nun das Haus verlassen. Ein neuer Haarschnitt alleine, ist meist nicht effektiv genug. Also ran an die Müllsäcke.

Margarete Magnusson hat dazu ein kurzweiliges Büchlein verfasst:

Frau Magnussons Kunst, die letzten Dinge des Lebens zu ordnen.

Es ist keine Entrümpelungsanleitung, vielmehr eine fröhlich verfasste Annäherung an dieses sensible Thema. Beim Lesen musste ich an einigen Stellen schmunzeln.

Wenn man bereits auf ein langes Leben zurückblicken kann, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es sich lohnt, sich mit seinem angesammelten Besitz auseinanderzusetzen. In so einem Fall rate ich dringend, sich Unterstützung zu holen. Denn sonst passiert es schneller als man möchte, dass der Überblick in einem Stapel voller Erinnerungen verschwindet, und meist nicht wiederkehrt.

Meine Kolleginnen und ich sind ihnen gerne dabei behilflich.

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