Wer das Glück hat, eine neue, bezahlbare Wohnung zu finden, steht vor der Frage: „Was soll alles in das neue Zuhause mitgenommen werden?“ Welche Dinge sind mir/uns noch viel wert und wichtig und müssen mit? Passt denn noch alles ins neue Zuhause und welche Dinge sollten jetzt besser gehen? Du willst den Umzug gut vorbereiten, natürlich. Dazu sind viele Entscheidungen zu treffen. Es ist verständlich: Manche davon fallen wirklich schwer. Das führt dazu, dass am Ende doch mehr Dinge umziehen, als ursprünglich beabsichtigt waren.
Was alles in die neue Wohnung oder in das neue Haus passt, hängt nicht nur davon ab, ob das neue Zuhause größer oder kleiner ist, als das vorherige. Es hängt auch vom Baustil ab oder ob du alleine, zu zweit oder mit der ganzen Familie umziehst. VOR dem Umzug muss also sehr gut geplant werden, was mitgenommen wird.
Darauf will ich hier aber gar nicht eingehen, denn in diesem Artikel geht es um den zweiten Teil der Reise:
Es geht ums Einziehen und Auspacken
Es wäre doch wirklich ein Traum, wenn spätestens am zweiten Abend im neuen Zuhause alle Kartons ausgepackt und in neuen Schränken verstaut wären. Wenn die Bilder an der Wand hingen, alle Kleidung in feiner Ordnung in die Schränke sortiert wären. Und wenn alle Lampen hingen und in der Küche alles wieder so schnell greifbar wäre, wie du es von vorher kanntest.
Vermutlich kennen alle, die schon einmal umgezogen sind, das „last box syndrom“ (es kennen sogar jene, die ihren Umzug gut vorbereiten können):
Es ist das Problem, dass EIN Karton übrig bleibt.
Bei vielen ist es jedoch nicht nur ein Karton, sondern sind es gleich mehrere.
Wenn diese „erstmal“ in irgendeine Ecke geschoben werden und man sich vornimmt, diese Kartons „demnächst“ auszupacken, mutieren sie schnell zum Trigger des schlechten Gewissens. Man sieht die Kartons, aber man hat keine Zeit oder keine Lust oder meist von beidem etwas, um sich den Inhalten zu widmen. Man vermisst ja im Moment gar nichts, was sich darin befinden könnte. Man kommt ja mit allem aus, was man bislang ausgepackt hat. Komisch … wo man doch vorher all diese Dinge in Gebrauch hatte. Oder nicht?
Diese Kartons da in der Ecke stören ja doch irgendwie
Man sieht sie, aber man bringt nicht die Kraft auf, sie zu öffnen. Und so können Kartons jahrelang irgendwo stehen. Man gewöhnt sich an ihren Anblick.
In meiner Feng Shui Praxis komme ich bei Kunden, die meine Hilfe bei der Einrichtung einer neuen Wohnung wünschen, meistens als erstes mit diesen Überbleibseln aus einer früheren Wohnung und früheren Lebensstilen in Berührung.
Bei einer Kundin stand eine ganze Armada solcher Kartons im Schlafzimmer. Sie bedeckten etwa ein Viertel des Raums und waren mit verschiedenen bunten Decken bedeckt. Das sah fast gemütlich aus, Boho-Style … nur sollte man sich besser nicht darauf setzen.
Diese Kundin konnte sich diesen Zeugen ihres früheren Lebens einfach nicht stellen. Die Kartons standen dort 14 Jahre und verhinderten alles, was dieser Kundin Freude gemacht hätte, z.B. das Nähen schöner Kleidung. Es gab schlichtweg keinen Platz für die Nähmaschine, die ungenutzt im Regal stand, und für einen großen Arbeitstisch zum Zuschneiden und Nähen.
Doch was tun, um auch den letzten Karton zu attackieren und seinem Inhalt neue Plätze zuzuweisen?
Den Umzug gut vorbereiten: Die Lösung beginnt bereits beim Einpacken.
Hier sind ein paar Ideen:
- Mache Fotos von deiner neuen, noch leeren Wohnung und überlege genau, was du wo du tun willst, d.h. welchen Raum du in welcher Weise nutzen willst. Nimm Dir den Grundriss, betrachte deine vorhandenen Möbel und überlege, wie und wo du sie aufstellen willst. Wenn du manche Möbel nicht mitnimmst, überlege trotzdem, welche Art von Möbeln du zukünftig in deinem Zuhause haben möchtest und was du in ihnen verstauen willst.
- Schau dich in deiner alten Wohnung um und überlege, ob die jetzige Ordnung gut war und ungefähr so übernommen werden könnte oder ob dies gerade die Gelegenheit ist, alles neu zu ordnen und gleichartigen Dingen neue Plätze zuzuweisen. Gehe detailliert vor bis hin zu der Frage: wo ist der richtige Platz für Glühbirnen und Batterien? Diese zwei Artikel sind immer meine Gradmesser für „die braucht man ganz plötzlich und man muss in dem Moment wissen, wo sie sind“ (z.B. im Hauswirtschaftsraum oder in einer Abstellkammer in einem beschrifteten Karton)
- Lege fest, welche Kartons in welches Zimmer in der neuen Wohnung gebracht werden sollen und beschrifte die Kartons entsprechend. Nutze farbige Post-its, sie brauchen allerdings einen zweiten Klebestreifen am unteren Rand, damit sie nicht unterwegs auf dem Weg ins neue Zuhause das Weite suchen. Nimm für jeden Raum eine andere Farbe, dann haben es auch die Umzugsleute leichter und müssen nicht auf jedem Karton lesen, wohin er gebracht werden soll, sondern können sich schnell an den Farben orientieren. In der neuen Wohnung hast du bereits einen Raumplan mit denselben Farben angebracht, so dass sie auch dort sofort wissen, welcher Karton in welches Zimmer wandern soll.
Und so geht es weiter im neuen Zuhause
- Wenn alle Kartons in der neuen Wohnung angekommen sind, gehe Raum für Raum vor. Baue zuerst die Möbel auf (das versteht sich ja von selbst) und ordne die Inhalte der Kartons den Regalen und Schränken zu. Aber mach noch keine schöne Ordnung, sondern teile erst einmal nur zu, bis alle Kartons leer sind. Falte mindestens die Hälfte der Kartons zusammen und bringe sie aus dem Raum, damit Du Platz zum Sortieren und Einräumen hast.
- Jetzt ordnest Du die Dinge nach Kategorien und bildest überschaubare Stapel, die Du den Schrank- und Regalplätzen zuordnest. Und erst jetzt kommt das Finetuning wie Marie Kondos Falttechnik für T-Shirts und Hosen und das Einsortieren in passende, schöne Boxen, die Du dann in die verschiedenen Schränke stellst. Das Motto ist: vom Groben ins Feine. Zuerst ist das Praktische gefragt, dann das Feine.
- Vermeide Stress. Was ist für dich der wichtigste Raum? Ich würde sagen: das Schlafzimmer, denn am Abend eines Einzugstags musst du dich ausruhen, damit du am nächsten Tag wieder mit Lust ans Werk gehst und das nächste Zimmer genauso planst.
- Gehe Raum für Raum vor und behalte Kategorien im Auge: Welche Dinge gehören im Gebrauch zusammen und sollten sich deshalb im selben Raum befinden?
- Lege von vornherein feste Plätze fest für Papiere. Ich meine damit Briefe, die Du noch bearbeiten musst. Lass nicht zu, dass sich Papier im ganzen Haus verteilt, sondern sich an einem einzigen Ort befindet, damit Du die Dinge schnell erledigen kannst. Das wirkt auch der berüchtigten Prokrastination und Papiermüdigkeit entgegen.
Und nun wünsche ich Dir einen entspannten Umzug!
Wenn du Fragen dazu hast: Ich bin Heike Andersen und im Norden zu Hause
