Alle Kinder haben Smartphones – und du hast schon lange die Kontrolle über DEIN Handy verloren?
Wie sollen unsere Kinder vernünftig mit ihrem Handy umgehen, wenn wir es selbst nicht können. Wir möchtest Vorbild sein, hast aber längst die Kontrolle über dein Handy verloren …? Es wird Zeit, dass wir Erwachsenen Smartphone-Vorbilder für unsere Kinder werden.
Lernen wir also dazu und geben unser Können an sie weiter. Versuchen wir zu verstehen, dass unsere Handys ganz anders sind als die unserer Kinder. Die junge Smartphone-Welt ist eine ganz andere, mit Apps, die wir noch gar nicht kennen.Aber auch die sollten wir kennenlernen und gemeinsam mit unseren Kindern zu kontrollieren lernen.
Dein persönlicher Smartphone-Alltag
Fangen wir zunächst bei uns Erwachsenen an. Wie steht es bei dir zuhause mit der Ordnung?
Sammelst du viel und sortierst nie so recht aus? Stopfst du alles in noch freie Ecken und kaufst ohne zu überlegen? Oder strebst du nach Kontrolle und hast gerne den Überblick? Bist du strukturiert und hast für alles einen freien Platz?
Höchstwahrscheinlich wirst du auch in der digitalen Welt auf genau diese Verhaltensweisen bei dir treffen.
Um herauszufinden, wie du dich digital verhältst, beobachte dich einige Tage. Guck dir deine tägliche Routine mit dem Handy genauer an und schreibe auf, wofür du das Handy nutzt. Wieviel Zeit du wofür verwendest.
Nutzt du das Smartphone zum Telefonieren, zum Chatten, Surfen oder Musik hören? Ist das Smartphone mit all seinen Apps ein Hilfsmittel im Alltag, oder steckst du eigentlich schon viel tiefer drin, als du gedacht hättest?
Verschwinden Stunden deines Tages in Warenkörben, Kurzvideos und GameApps? Schickst du dauernd irgendwelche Bilder und Links an alle möglichen Kontakte oder sogar in Gruppen?
Wie oft aktualisierst du deinen Status am Tag? Wie oft guckst du bei anderen rein? Vielleicht ist es an der Zeit, deine Routine doch mal in Frage zu stellen.
Wenn du etwas ändern möchtest, aber noch nicht weißt was, dann fertige eine Liste an mit genauen Nutzungen und den Zeiten, die du damit verbringst. Dahinter kannst du dann notieren, was gut und was weniger sinnvoll ist.
Gestalte dein Digitales Zuhause!
Genau wie im echten Zuhause kannst du dein digitales Zuhause durch bewusste Entscheidungen gestalten. So wie du entscheidest, wo und wie du leben möchtest und wie die Räume aussehen und genutzt werden sollen, kannst du auch in der digitalen Welt entscheiden.
Der Unterschied zur digitalen Welt ist, dass im echten Zuhause niemand ungefragt einen „gemusterten Teppich“ ausrollt oder die „Musikanlage anschaltet“, wie es im Handy oft passiert.
Wenn du die Kontrolle über dein Handy zurückbekommen willst, dann sichere dein Smartphone – so wie du die Haustür abschließt, wenn du irgendwohin gehst! Wähle deine Inhalte im Internet so aus, wie du entscheidest, welchen Hobbys du nachgehst und welche Bücher du liest.
Ordnung im Smartphone spart Zeit und Geld, genau wie ein ordentlicher Kleiderschrank auch.
Auch in der digitalen Welt, sollten wir eine Vorstellung von den Räumen haben, in denen wir uns bewegen. Nicht in jede offene Tür sollten wir reinlaufen.
Immer diese Entscheidungen! Aber nur so bekommst du die Kontrolle über dein Handy zurück
Täglich verbringen wir alle viel Zeit damit, viele Entscheidungen zu treffen, auch am Handy. Im realen Alltag haben wir das über Jahre gelernt, aber die digitale Welt mit ihren dynamischen Smartphones fordert uns alle täglich mit neuen Tricks und Angeboten heraus.
Entscheide also ein paar grundsätzliche Dinge, die dein tägliches Handeln beeinflussen und dich als Vorbild für deine Kinder formen:
• Welche Tätigkeiten möchtest du analog erledigen, welche digital?
• Welche Apps brauchst du?
• Welche Einstellungen sollen die Apps haben?
• Wieviel Zeit möchtest du täglich auf das Handy schauen?
• Mit wem möchtest du digital kommunizieren, wen möchtest du persönlich treffen?
Ein paar praktische Tipps, um die Kontrolle über dein Handy zurückzubekommen:
• Du kaufst ein Handy mit einer Anzahl von vorinstallierten Apps. Lösche davon alle Apps, die du nicht benötigst. Du wirst erstaunt sein, es sind einige! Du sparst dadurch Speicherplatz und schützt dich vor optischer Überforderung.
• Bei vielen Apps sind standardmäßig viele sogenannte „Teaser“ eingeschaltet. Gehe durch die Einstellungen und schalte grundsätzlich erstmal alle Benachrichtigungen, Erinnerungen und Verknüpfungen aus. Auch auf den Portalen können Infos, Angebote und Newsletter ausgeschaltet werden. Du wirst sehen, dass plötzlich viel weniger Info-Blasen auf deinem Handy aufploppen. Kein Wegklicken mehr nötig!
• Wenn du an deinem freien Tag an dein Handy gehst, stelle den Timer mal auf 45 Minuten. Ups! schon piept es! So bekommst du ein Gefühl für Zeit am Handy.
• Vor jedem Griff zum Smartphone überlege kurz, was du wirklich willst. Gehe kurz in dich und frage dich, ob grad eigentlich nur einen Gedanken wegschicken möchtest, den du auch später persönlich mit jemandem austauschen kannst. So sparst du vielleicht Zeit. Zeit für Entscheidungen, die dir die Kontrolle über dein Handy wiedergeben!
Gutes Vorbild sein – an der Seite der Kinder
Unsere Kinder verbringen auch sehr viel Zeit am Handy und es passiert dort sehr viel, vom dem wir Eltern keine Vorstellung haben.
Für alle Eltern gilt, unbedingt genau hinzuschauen und auch zu fragen, was sie mit ihren Handys machen. Wir Erwachsenen haben die Pflicht, unsere Kinder aufzuklären, sie zu beaufsichtigen und zu schützen.
Wir dürfen keine Ausreden vorgeschrieben, wie z.B. „ich kenn mich da nicht so gut aus“, „ich bin zu alt dafür“ oder „mein Kind kann das viel besser als ich“.
Stelle einige Dinge in deinem digitalen Alltag um und hol dir die Kontrolle über dein Handy zurück. Dann kannst du auch ein gutes Vorbild für deine Kinder sein: Du kannst mit dem neuen Wissen plötzlich viel besser einschätzen, was auf den Kinder-Smartphones so los ist. Ja, wir müssen IN ihre Handys schauen, um zu verstehen.
Es ist ein Irrtum, wenn wir die Handys unserer Kinder mit der Privatheit eines Tagebuches gleichsetzen. Wir müssen drüber reden und wir müssen in ihren Handys lesen.
Frag deine Kinder einfach mal, was gut läuft und was nicht so gut funktioniert. Was ihnen gefällt und ob vielleicht irgendwas ein komisches Gefühl erzeugt. Gibt es Orte, wo sie nicht wissen, was sie da tun? Frag sie einfach mal „Hast du irgendwo keine Kontrolle über dein Handy?“
Link: Tagesschau „Keine Social-Media-Accounts für unter 13-Jährige“
(https://www.tagesschau.de/wissen/gesundheit/jugendliche-social-media-leopoldina-100.html)
Kindheit ohne Handy
Wenn deine Kinder noch kein Handy haben, lass den Satz „aber alle haben ein Smartphone“ noch eine Weile im Raum schweben. Es ist gut zu wissen, dass es weltweit immer mehr Kinder gibt, die im schulpflichtigen Alter noch keines haben. Der Trend geht dahin, länger abzuwarten.
Der Verein „Smarter Start ab14“ vernetzt Eltern, die mit dem Smartphone für ihre Kinder noch warten wollen, in ganz Deutschland miteinander und klärt zum Thema Smartphone auf.
Link: Verein Smarter Start ab 14
Wenn deine Kinder schon ein Handy haben, nimm dir die Zeit, gemeinsam mit deinen Kindern durch die Apps auf ihrem Handy zu gehen und zu entscheiden, welche wirklich sinnvoll sind und welche Einstellung für Nutzung und Sicherheit notwendig sind. (www.medien-kindersicher.de)
Nur gemeinsame Einscheidungen sind sinnvoll und langfristig einhaltbar.
• Entscheide mit deinen Kindern, wieviel Zeit ihrer Kindheit sie täglich höchstens in der Digitalen Welt verbringen möchten und sollen.
• Das Handy sollte abends auf einer Familienstation abgelegt und ausgeschaltet werden. Ein Handy, das abends im Zimmer verbleibt, ist wie „Klassenreise jeden Tag“.
• Wenn du merkst, dass das Handy als Langeweile-Vertreiber benutzt wird, suche gemeinsam mit deinen Kindern nach anderen Beschäftigungen. Es ist gut zu wissen, dass die meisten Kinder nach spätestens 10 Minuten „Langeweile-Aushalten“ gewöhnlich irgendetwas zu tun finden. Sie lernen durch das Aushalten, solche Momente für sich zu lösen.
Gesund erwachsen werden und alles unter Kontrolle haben
Wenn schon früh Kinder-Apps als „Babysitter“ genutzt werden, ist die Gefahr groß, dass die Kinder in eine Abhängigkeit von digitalen Medien geraten.
Spiele- und Socialmedia-Apps sind professionell so aufgebaut, dass Kinder und Jugendlichen das „Weiterklicken“ kaum stoppen können.
Bei der Entwicklung der Apps wird die Tatsache ausgenutzt, dass der Bereich des menschlichen Gehirns, der für die Selbstregulierung und die damit verbundene Impulskontrolle zuständig ist, erst mit Mitte 20 voll ausgebildet ist. Das bedeutet, dass unsere Kinder oft unfähig sind, sich selbständig vor einer Abhängigkeit von digitalen Medien zu schützen.
Link: DAK Mediensucht-Studie 2024
(www.dak.de/dak/unternehmen/reporte-forschung/dak-studie-mediensucht-2024_91442)
Wenn du deine Kinder also dabei unterstützen möchtest, sich selbst zu regulieren, dann begrenze Apps wie Snapchat, TicToc, Roblox, YouTube etc. und auch LernApps wie Duolingo und AntonApp. Damit ermöglichst du deinen Kindern mehr Zeit in der echten Welt.
Sie begegnen echten Gefühlen und echter Empathie, statt künstlicher Gefühle von Comicfiguren und Werbefiguren. Sie treffen auf ein reales Gegenüber, üben sich in direkter Kommunikation und lernen Kompromisse zu schließen. Das ist so wichtig für ihre Zukunft und unsere Gesellschaft!
In Studien wurde nachgewiesen, dass sich junge Menschen durch mehr Kontakt zu echten Menschen körperlich und seelisch viel gesünder entwickeln. Sie erlernen bessere Sprachfähigkeiten und werden selbstsicherer. Sie schlafen mehr und können sich besser und länger konzentrieren, was ihre Lernfähigkeit und damit ihre Entwicklung unterstützt.
Link: Studie TU Braunschweig „Kurze Lernvideos und deren Lerneffekt“
(https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0360131525000983?via=ihub)
In der Zukunft wird die Verbreitung künstlicher Intelligenz uns noch einmal mehr digital herausfordern.
Begegnen wir diesen Veränderungen also am besten, indem wir uns noch mehr informieren und uns noch mehr Zeit nehmen, mit unseren Kindern zu reden und eine gute Verbindung zu ihnen zu halten.
Schalten wir unsere aufgeräumten Handys ab und zu aus und seien wir für unsere Kinder emotional verfügbar. Sie werden es uns danken!
Eure Ordnungspartnerin Hanna Wilkens aus Hamburg
