Meine Kund*innen sagen, ich sei ein Ordnungswunder. Dabei bin ich eher der Typ „Stop, dafür wurden Ressourcen verbraucht. Wir sollten schauen, ob es noch genutzt werden kann.“ Gleichzeitig liebe ich, wenn alles schön aussieht. Ein Widerspruch? Nein, ich glaube nicht. Denn es geht beim schön Wohnen gar nicht darum, immer aufgeräumt zu sein. Es geht um etwas Tieferes, um eine Grundordnung.
Was Grundordnung für mich bedeutet
Grundordnung ist ein Wort, das erst mal ziemlich streng klingt. Aber für mich ist es ein System, das hilft, die Übersicht zu behalten … selbst wenn die Dinge mal wieder mehr werden. Und irgendwas kommt ja immer hinzu oder ist in Bewegung im eigenen Haushalt. Es heißt also nicht, dass nie etwas herumliegt, sondern dass es leicht wieder in Ordnung gebracht werden kann.
Und genau da ist der große Unterschied: Ordnung ist der wünschenswerte Zustand. Grundordnung ist die Basis, die diesen Zustand immer wieder möglich macht.
Ein reales Beispiel
Ich erinnere mich noch gut an einen Auftrag, um das Wohnen zu verschönern. Der Haushalt war in Ordnung und fein, aber ich hatte den schnell den Eindruck, es ist ALLES überall verteilt. Sprich: Es gab kein richtiges System für das Verstauen der haushaltlichen Dinge.
Mir kam sofort der Gedanke „Wieviel mehr Zeit braucht es, die Dinge hier in Ordnung zu halten, sie zu verstauen und wiederzufinden? Wie belastend mag das für den Alltag sein?“
Mir wurde klar: Ein Zuhause sollte mit mir zusammenarbeiten. Mit einer Struktur, die zum persönlichen Leben passt und nicht zu irgendeiner Idealvorstellung … schon gar nicht aus Büchern und Ratgebern.
Kreative Menschen und Ordnung – ein schwieriges Paar
Wenn du eher vielseitig, spontan und abwechslungsliebend bist, kennst du das bestimmt: Du siehst in allem Möglichkeiten. Eine Kiste kann Aufbewahrung, Beistelltisch oder Deko sein. Eine freie Fläche? Perfekt, um mal kurz was abzulegen.
Kreativität ist ein Geschenk, aber sie macht es verdammt schwer, sich eine feste Grundordnung zu schaffen. Denn das bedeutet, Entscheidungen zu treffen. Und Entscheidungen schränken ein. Aber genau da liegt der Trick: Grundordnung ist keine Einschränkung, sie ist eine Erleichterung.
Es ist klar: Wenn man weiß, wo Dinge hingehören, bleibt der Kopf frei für das, was man wirklich tun will. Er muss nicht ständig „Nebenschauplätze“ verwalten.
Finde deine eigene Grundordnung
Du musst nicht mit dem großen Ausmisten anfangen (obwohl das sicher helfen würde). Beobachte einfach, wie du wirklich lebst.
Nicht, wie du leben möchtest, sondern wie es tatsächlich ist.
Zum Beispiel:
- Deine Tasche landet immer auf dem Stuhl neben der Tür. Also bringe dort einen festen Haken an. Fertig.
- Deine Post bleibt oft auf dem Küchentisch liegen. Also gibt es dort zukünftig eine kleine Ablage für Briefe.
- Du legst Stifte überall ab. Also gewöhne dir an, in jedem Raum ein Glas oder eine Dose dafür zu haben.
Klingt banal? Ist es auch. Aber genau das ist Grundordnung – kein ästhetisches Großprojekt, sondern viele kleine, liebevolle Anpassungen an die Realität.
Ein Platz für alles – aber bitte mit Gefühl
Lerne, dass Grundordnung nichts mit Perfektion zu tun hat. Es geht nicht darum, dass alles symmetrisch, farblich abgestimmt und instagram-tauglich ist.
Es geht darum, dass du Dinge so sortierst, wie du denkst.
Wenn du ein visueller Typ bist, brauchst du offene Regale, damit du siehst, was du hast.
Wenn du schnell genervt bist von Dingen, die rumstehen, brauchst du geschlossene Kisten.
Wenn du Chaos magst – aber ein geordnetes Chaos – kannst du Kategorien schaffen, die nur du verstehst.
Hauptsache, du kannst sie wiederfinden.
Wichtig: Routinen ohne Zwang
Hab keine Angst vor Routinen – nein, sie machen dich nicht unflexibel. Sie geben dir Halt.
Stell dir vor: Abends kurz durch die Wohnung gehen, Oberflächen freiräumen, Wäsche dahin, wo sie hingehört. Keine Stunde, kein Drama. Zehn Minuten, und du wachst in einer klaren Umgebung auf.
Das Schöne ist: Wenn deine Grundordnung einmal steht, geht es fast automatisch. Du musst nicht mehr überlegen, wohin mit dem Zeug, weil du es schon weißt.
Grundordnung ist kein Endziel
Aber weisst du was? Grundordnung ist nie fertig. Sie verändert sich, so wie du dich veränderst. Wenn du umziehst, Kinder bekommst oder einfach eine neue Lebensphase beginnst, passt du dein System an.
Betrachte deine Ordnungwie ein lebendiges Gerüst. Es hält dich, aber es lässt sich biegen. Es darf wackeln, solange es nicht zusammenfällt. Und ja, manchmal sieht es bei dir Zuhause trotzdem so aus, als hätte ein kleiner Wirbelwind gewütet. Aber der Unterschied ist: Du weisst, wie du es wieder in den Griff bekommst. Dein Lohn ist ein Gefühl von Ruhe, das kein noch so minimalistisches Wohnmagazin der Welt ersetzen kann.
Wenn’s mal nicht klappt – bleib freundlich zu dir
Mach dich nie selbst fertig, wenn es mal unordentlich ist. Manchmal ist Chaos einfach ein Zeichen dafür, dass du gerade andere Prioritäten hast. Und das ist völlig in Ordnung.
Die Grundordnung hilft dir dabei, schneller wieder zurückzufinden. Sie ist kein Dogma, sondern ein Kompass.
Grundordnung ist Freiheit
Mit dem Gedanken an Grundordnung denke nicht an Schubladensysteme oder To-do-Listen. Denke an Leichtigkeit. An das Gefühl, dich auf dein Zuhause verlassen zu können. An Klarheit im Außen, die Ruhe im Inneren schafft.
Ich bin Carola Böhmig, Gründerin von OrdnungsService.com.
Genau das wünsche ich dir: Nicht das perfekte Zuhause, sondern eines, das dich unterstützt. Das dich atmen lässt. Und dich nicht stresst, sondern auffängt. Denn das ist wahre Grundordnung: Nicht alles perfekt haben, sondern wissen, wo du wieder anfängst, wenn das Leben dazwischenkommt.

