Entspannte Feiertage. Wie du mit etwas Ordnungswissen gelassen durch die schönste Zeit des Jahres kommst:
Ich weiß nicht mehr, seit wie vielen Jahren ich mir jeden November aufs Neue sage: „Dieses Jahr wird alles anders. Ich will ein gemütliches Fest, ganz ohne Stress!“ Und je näher die Feiertage rücken, merke ich, wie ich hektischer werde und mir noch tausend Sachen einfallen, an die ich denken muss. Die Rehkeule muss man vorbestellen. Ein Geschenk für Onkel Josef muss noch her. Ist mein Geschirr vollständig? Welchen Nachtisch sollen wir machen? Gehen alle in die Kirche? Wann kaufe ich den Baum? Kaufe ich überhaupt einen Baum? Sind alle sauer, wenn ich mal keinen habe? So sieht es dann in meinem armen Kopf aus.
Einfach mir selbst zuliebe habe ich hier mein Ordnungswissen und die KonMari® Methode zusammengekramt und daraus einen kleinen Leitfaden geschrieben, damit dieses Jahr endlich „das beste Weihnachten aller Zeiten“ wird. 😉
Vielleicht kennst du das auch: die Wohnung aufräumen und putzen, alles vorbereiten, damit sich die Gäste wohl fühlen, Geschenke organisieren, einkaufen, kochen, dekorieren. Und plötzlich fühlt sich alles nach „Schaffen müssen“ statt „Genießen dürfen“ an.
Ich bin Angelika Brenner, KonMari® Master Consultant und Ordnungsberaterin im Schwabenland und ich begleite mit meiner Firma BEE Home Design Menschen dabei, Ordnung zu schaffen, die wirklich entlastet. Ich glaube fest daran, dass auch du (und ich auch) mithilfe der KonMari®-Methode und ein paar strukturierten Routinen entspannte Feiertage erleben kannst, ohne Hektik, ohne schlechte Laune, ohne Chaos.
Warum die Feiertage oft stressen und was du dagegen tun kannst
Die meisten Stressmomente haben gar nichts mit den Feiertagen selbst zu tun. Sie entstehen durch zu hohe Erwartungen, einen Hang zu Perfektion, Überforderung, unklare Prioritäten oder zu viele To-Dos auf einmal. Das Weihnachtsfest soll aber in erster Linie Menschen vereinen, damit sie eine schöne Zeit miteinander haben. Weiter nichts.
Vielleicht denkst du: „Ich will es schön haben, aber dazu muss ich noch an so viel denken.“ Genau hier kommt Ordnung ins Spiel. Je klarer dein Umfeld ist und je strukturierter deine Abläufe, desto leichter wird es für dich, die Feiertage wirklich zu genießen.
Schritt 1: Eine entspannt vorbereitete Umgebung
Bevor du in Feiertagsstimmung eintauchst, lohnt sich ein kleiner, gezielter Ordnungs-Check.
Und keine Sorge: Ich spreche nicht von einem Komplett-Aufräumen, sondern von ganz pragmatischen Wohlfühl-Zonen.
Konzentriere dich auf Räume, die während der Feiertage im Mittelpunkt stehen:
- Wohnzimmer
- Küche
- Eingangsbereich
- Badezimmer
- Gästezimmer (falls du Besuch erwartest)
Schau dir jeden der Räume an und stell dir die Frage: „Was brauche ich wirklich, um mich hier wohlzufühlen?“ Du musst nicht alles neu ordnen. Schon kleine Aufräumschritte wirken sofort:
- Schaffe freie Ablageflächen, indem du alles Überflüssige entfernst. Befreie z.B. die Küchenarbeitsfläche von unnötigen Küchengeräten und anderem Krimskrams, der nicht unmittelbar zum Kochen benötigt wird. Oder suche alles zusammen, das nicht zwingend im Flur sein muss und bring es dahin zurück, wo es eigentlich hingehört.
- Benutze schöne Körbe, um das Alltagschaos darin zu sammeln.
- Falls du nicht allein lebst, lass dir bei all diesen Aufgaben helfen. Du führst schließlich kein Hotel. Sage deinen Lieben dabei freundlich, aber ganz konkret, was sie tun sollen. Erwarte nicht, dass sie deine Gedanken lesen können.
Schritt 2: Minimalismus light – weniger Zeug bedeutet mehr Zeit
Viele Menschen geraten in Feiertagsstress, weil zu viele Dinge gleichzeitig Aufmerksamkeit verlangen: Geschenke, Verpackungen, Deko, Vorräte, das „große Fressen“ etc.
Ein „Mini-Declutter“ kann hier Wunder wirken. Lass ein wenig Perfektion los. Welche Erwartungen an dich selbst kannst du ziehen lassen, um dafür mehr genießen zu können?
- Besprecht, wie die Familie das Fest erleben will. Vielleicht stellt sich heraus, dass Traditionen, die du als gegeben hinnimmst, niemandem mehr was bedeuten und es wird Zeit für neue gemeinsame Erlebnisse.
- Überlege dir genau, wie viel Dekoration du für dein Glück brauchst. Willst du gerne mal was Neues ausprobieren? Dann lass dafür Althergebrachtes weg. Könnte einfach ein Adventskranz und ein Weihnachtsbaum ausreichen? Oder genügen sogar ein paar Kiefernzweige und LED-Kerzen?
- Kannst du Einkaufen, Kochen und Essen Vorbereiten delegieren? Wer außer dir könnte z.B. für Salate, Beilagen oder Desserts sorgen?
Entspannt bist du vor allem dann, wenn du einen klaren Überblick hast. Das Motto lautet: Nur was dir und deinen Lieben Freude macht und euch dient, darf bleiben.
Schritt 3: Geschenkestress reduzieren mit der KonMari-Perspektive
Geschenke können eine der größten Stressfallen sein. Marie Kondo sagt: „Geschenke sollten Freude schenken, nicht Verpflichtungen.“ Beim Schenken muss ich unweigerlich an „Weihnachten bei Hoppenstedts“ denken. Man sollte sich diese vergnügliche Loriot-Folge unbedingt ansehen, bevor man sich ans Schenken und Feiern macht. Damit das Fest der Feste nicht in eine sinn- und lieblose Materialschlacht ausartet, frag dich also:
- Wen möchte ich gerne beschenken?
- Was würde der Person wirklich Freude machen?
- Kann ich Verbrauchsgüter schenken, also kleine Delikatessen, Körperpflege oder Duftkerzen? So verhinderst Du, dass sich bei deinen Lieben Zeug ansammelt.
- Kann ich Erlebnisse statt Dinge schenken? Beliebt sind zum Beispiel: gemeinsame Erlebnisse wie ein Brunch, ein Ausflug, ein Wellnessnachmittag oder ein Theaterbesuch.
Wenn du bewusst schenkst, fühlt es sich insgesamt leichter an und die Feiertage werden viel entspannter. Und denke auch daran, dass Schenken im Moment der Übergabe stattfindet. Jemand denkt an eine andere Person und überlegt sich was Nettes, um ihr Freude zu machen. Niemand weiß zu 100%, was das richtige für eine andere Person ist. Daher ist es normal, dass manche Geschenke „in die Hose gehen“. Und das sollte man niemals persönlich nehmen.
Schritt 4: Küche und Essen mit Struktur statt Chaos
Die Küche ist an den Feiertagen gerne der Stress-Hotspot. Eine gute Vorbereitung kann dich davor bewahren.
- Sortiere rechtzeitig deine Vorräte, damit du nicht zu viel einkaufst.
- Lege Einkaufslisten nach Kategorien an. Z.B. was wo und wann gekauft wird oder vorbestellt werden muss.
- Schreibe einen Ablaufplan. Welche Gerichte kann man ein oder zwei Tage zuvor vorbereiten? Gibt es genug Aufbewahrungs- und Kühlmöglichkeiten? Wann und wie wird der Tisch gedeckt? Kannst Du Fehlendes z.B. bei deinen Nachbarn ausleihen?
- Wie schon oben beschrieben, teile die Aufgaben innerhalb der Familie auf.
Es sollte eigentlich klar sein, aber aufgrund schlimmer Erlebnisse, die mit Forelle und Paté zu tun hatten, kann ich nur davon abraten, neue Rezepte auszuprobieren. Weihnachten ist wunderbar für bereits mehrfach Erprobtes. Neues probiert man besser aus, wenn es nicht darauf ankommt. Verlasse dich also auf Bewährtes, wenn deine Energie ohnehin schon knapp ist.
Schritt 5: Genießen, statt ein Programm abhaken
Viele Menschen versuchen, in kurzer Zeit möglichst viel unterzubringen: Besuche, Events, Essen, Familienrituale. Wenn wir die KonMari-Herangehensweise zugrunde legen, dann wählen wir schon im Vorfeld bewusst aus, was uns Freude bereitet und wir nehmen uns vor, die einzelnen Abläufe auch zu genießen.
Beispiel: Wenn du nicht gerne kochst, warum lässt du das nicht jemanden machen, der es gern und gut macht? Wer sagt, dass du fürs Essen verantwortlich bist?
Frage dich:
- Welche drei Dinge machen für mich die Feiertage wirklich aus?
- Was stresst mich eher, als dass es schön ist?
- Mit welchen Menschen möchte ich Zeit verbringen?
Wenn du Prioritäten setzt, entsteht automatisch Raum – und damit echte Entspannung.
Wichtiger Punkt: Was ist mit denjenigen Familienmitgliedern, die eher schwierig sind? Wenn du ihnen nicht aus dem Weg gehen kannst, versuche einen Umgang zu finden, der für euch so vergnüglich wie möglich ist. Überlege bereits vor dem Zusammentreffen, was es Gutes über die Person zu sagen gibt. Finde etwas halbwegs Sympathisches an der Person? Hat sie vielleicht ein Talent? Hat sie möglicherweise eine lustige Eigenart? Wenn es dann so weit ist, vermeide Themen, die zwangsläufig Streit geben. Ignoriere Provokationen. Wähle bewusst positive Gespräche und lege so gut es geht, die Betonung auf ein schönes gemeinsames Erlebnis. Manchmal hilft es, mit dem Schlimmsten zu rechnen und sich dafür eine Lösung auszudenken. So gewappnet, bleiben böse Überraschungen oft sogar gänzlich aus. Am Ende des Tages hat jeder Mensch seine eigene Geschichte und wurde zu dem, was er ist.
Schritt 6: Ordnung halten, aber entspannt
Ordnung während der Feiertage ist kein Ziel, sondern eine echte Hilfe. Was viele überrascht: Sie muss nicht perfekt sein, um zu wirken.
- kleine 10-Minuten-Resets zwischendurch
- die bereits erwähnten Körbe um schnell was einzusammeln
- gemeinsam mit der Familie aufräumen
- nicht alles sofort und perfekt erledigen wollen
Ordnung ist dann gelungen, wenn sie dir Freiheit schenkt – nicht, wenn sie dich stresst.
Entspannte Feiertage beginnen bei dir und deinem Zuhause
Du brauchst keine Perfektion, um schöne, entspannte Feiertage zu erleben. Du brauchst ein bisschen Klarheit und ein paar bewusste Entscheidungen, die dir dabei helfen. Manchmal gehen Dinge schief. Daraus werden dann Erlebnisse, die in die Familienchronik eingehen und jedes Jahr als lustige Anekdote erzählt werden können. Wozu sich also Sorgen machen?
Mit ein paar gezielten Ordnungsroutinen schaffst du genau das: ein Umfeld, das Ruhe ausstrahlt, statt Chaos zu verstärken. Du darfst die Feiertage wirklich genießen – ohne Stress, ohne Perfektionsdruck und ohne schlechtes Gewissen. Das ist das schönste Geschenk, das du dir selbst machen kannst.
Über die Autorin
Angelika Brenner ist KonMari Master Consultant und Einrichtungsberaterin im Raum Stuttgart, Ostwürttemberg, Nordschwarzwald und Neckaralb. Sie hilft Menschen, Ordnung und Leichtigkeit in ihren Alltag zu bringen – ohne starre Regeln, sondern mit persönlicher Begleitung, Humor und viel Erfahrung.
