Wenn du dich schon einmal mit Aufräumen oder Ordnung beschäftigt hast, bist du bestimmt irgendwann über die berühmte Faltmethode der Japanerin Marie Kondo gestolpert. Sie verspricht, Kleidung nicht nur platzsparend, sondern auch übersichtlich und ästhetisch zu verstauen. Aus Kleidungsstücken werden kleine, charmante Päckchen geformt, die uns dann aufrecht und aneinander geschmiegt aus Boxen oder Schubladen anlächeln.
Aber Hand aufs Herz: Ist das wirklich für jede*n geeignet? Und lohnt sich das Falten immer?
Ich bin Angelika Brenner, KonMari® Master Consultant und Einrichtungsexpertin im Raum Stuttgart und Ostwürttemberg. In diesem Artikel erfährst du, wann die Faltmethode ihre ganze Magie entfaltet – und wann du lieber auf klassische Aufbewahrung setzen solltest.
Was steckt hinter der Faltmethode?
Die Faltmethode stammt, wie schon erwähnt, aus Japan, wo Platz oft Luxus ist und ein durchdachter Umgang mit Besitz nicht nur ein Muss, sondern sogar eine Kunstform ist. Marie Kondos Prinzip lautet:
„Jedes Stück soll sichtbar, leicht zugänglich und mit Wertschätzung behandelt werden.“
Das bedeutet: Kleidung wird stehend gefaltet und in Schubladen oder Boxen einsortiert, sodass du auf einen Blick siehst, was du besitzt. Kein Wühlen, kein Stapelchaos – stattdessen Klarheit, Ruhe und Übersicht. Und wenn man es ganz genau nimmt, wird sogar nach Farben und Schattierungen sortiert, wie ein Regenbogen.
Ein schöner Nebeneffekt: Das Falten selbst ist ein kleiner Achtsamkeitsmoment. Wenn du jedes Kleidungsstück sorgfältig in die Hand nimmst, es glattstreichst und dann liebevoll faltest, entsteht – nach Marie Kondo – eine engere Verbindung zu deinen Dingen.
Ob man nun esoterischen Sichtweisen etwas abgewinnt oder lieber pragmatisch veranlagt ist – darin sind wir uns sicher einig: Gegenstände, die wir mit Wertschätzung behandeln, halten oft länger und somit leisten wir damit auch einen wertvollen Beitrag zur Nachhaltigkeit. Auch in der Psychologie ist es kein Geheimnis, dass unser Umgang mit Besitz die Beziehung zu uns selbst widerspiegelt. Im Umkehrschluss wirkt sich die Wertschätzung unserer Dinge positiv auf uns selbst aus.
Für wen die Faltmethode besonders gut funktioniert
Die Faltmethode ist ideal, wenn du:
- visuell veranlagt bist und Dinge gerne auf einen Blick siehst,
- begrenzten Platz hast und deine Kleidung platzsparend unterbringen möchtest,
- Wert auf Ästhetik und Struktur legst,
- dich an klaren, ruhigen Bildern erfreust, wenn du die Schublade öffnest,
- oder eine Familie hast, die du gerne spielerisch am Ordnen der Kleidung beteiligen möchtest.
Die Faltmethode als Gamechanger
Gerade Menschen, die sich nach innerer Ruhe sehnen oder schnell den Überblick verlieren, empfinden die Faltmethode als echten Gamechanger. Denn sie reduziert visuelles Durcheinander und schafft Raum für Leichtigkeit.
In Familien ist das Herausnehmen von Kleidung aus dem Schrank oft ein Streitpunkt: Wer auf DIN-A4 gefaltete Shirts zu einem ordentlichen Turm gestapelt hat, ärgert sich maßlos, wenn daraus achtlos ein Shirt herausgezogen wird. Der schöne Turm gerät in Schieflage oder stürzt sogar ganz ein. Wer kennt’s nicht?
Meine Erfahrung zeigt, dass Familienmitglieder sich gerne am Falten und Ordnen beteiligen, wenn man es ihnen einmal (spielerisch statt streng) gezeigt hat und sie wissen, wo und wie alles aufbewahrt werden soll.
Wann Falten nicht die beste Lösung ist
Trotz aller Vorteile: Die Faltmethode ist kein Dogma. Nicht jedes Kleidungsstück „will gefaltet werden“.
Beispiele, wo die klassische Aufbewahrung besser passt:
- Feine Blusen, Röcke, Anzüge oder Kostüme, die leicht knittern, gehören besser auf den Bügel. Manche Schnitte sind so aufwendig oder voluminös, dass das Falten gar nicht praktikabel ist.
- Strickpullover oder Jacken, die zu voluminös sind und Schubladen sprengen. Diese dürfen gerne gestapelt oder auf gepolsterten Bügeln aufgehängt werden. Achtung: Sehr schwere Teile verlieren beim Hängen ihre Form.
- Kleidung mit Applikationen oder Aufdrucken. Wenn du z. B. zehn schwarze T-Shirts besitzt, die sich nur durch ein Motiv unterscheiden, falte sie so, dass der Aufdruck sichtbar bleibt.
- Sportkleidung, die du täglich nutzt: Hier zählt Schnelligkeit, nicht Perfektion. Einfach locker falten und übereinanderlegen.
- Bettwäsche, Handtücher, Putzlappen können, je nach Platz, gefaltet und gestapelt werden. Meist sucht man hier kein bestimmtes Exemplar, sondern nimmt einfach das oberste.
In Familien mit kleinen Kindern haben sich Körbe oder offene Regale bewährt, in denen Socken, Shirts, Sport- und Unterwäsche einfach gefaltet hineingelegt und wieder herausgenommen werden können. Bei dem hohen Verbrauch wäre tägliches perfektes Falten schlicht zu zeitaufwändig. So bleibt Ordnung alltagstauglich und niemand ärgert sich über hektisch herausgezogene Kleidung.
Ein Einwand zur Faltmethode, den ich häufig höre:
„Mein Schrank hat keine Schubladen, und die Regalbretter sind zu tief. Wenn ich mit Boxen arbeite, reicht mir der Platz nicht.“
Wie ist es bei dir? Habst du bereits einen Teil deiner Kleidung nach der KonMari-Methode™ gefaltet verstaut und fühlst du dich wohl damit?
Wenn du magst, schreibe in unser Team deine Erfahrungen. Wir freuen uns, von dir zu lesen.
