Aufräumen als Achtsamkeitsübung

 In Allgemein

von Petra Kronwald, Region Heilbronn

 

Wer das Wort Achtsamkeit hört, denkt eher an Yoga und Meditation. Aufräumen und Ordnung sind Begriffe, die wir eher mit Arbeit und Anstrengung verbinden.

Was verstehen wir eigentlich unter Achtsamkeit?

Mit Achtsamkeit ist gemeint, präsent im Hier und Jetzt zu sein. Es bedeutet, sich auf das, was in diesem Moment geschieht, zu konzentrieren und dabei eine innere Haltung von Ruhe und Akzeptanz zu entwickeln. Letztendlich geht es nicht darum, WAS wir tun, sondern WIE wir es tun – ob gedankenlos, hektisch und so schnell wie möglich … oder ruhig, fokussiert und aufmerksam.

Wie können wir Achtsamkeit in unser Aufräumen integrieren?

Da Aufräumen zu den alltäglichen Dingen gehört, die sowieso zu tun sind, bietet es sich an, diese Zeit zu nutzen und aus einer eher ungeliebten Tätigkeit eine Übung in Achtsamkeit zu machen. Durch achtsames Tun sorgen wir für mehr Zeitqualität, mehr Fokus und weniger Stress in unserem Leben. Es ist ein wichtiges Werkzeug der Selbstfürsorge und macht uns das Leben langfristig leichter.

Denn Unordnung führt zu Stress. Durch ein unordentliches, chaotisches Umfeld kommen wir nicht zur Ruhe: Es gibt ständig etwas zu tun – viele „ich sollte noch dies“ und „ich müsste noch das“ erzeugen Anspannung und Ruhelosigkeit.

Wenn wir unsere Räume so gestalten, dass wir sie als ordentlich empfinden, kann ein entspanntes Wohfühlen entstehen. Dieses Gefühl ist individuell – und damit meine ich keinesfalls, dass wir alle im „Schöner Wohnen“-Katalog leben müssen. Jeder empfindet Ordnung anders – für uns ist es wichtig, herauszufinden, in welchem Zustand wir uns am wohlsten fühlen.

Wie gehe ich vor, wenn ich achtsam aufräumen möchte?

  1. Mach langsam! Es gibt den schönen Spruch: „Wenn du es eilig hast, gehe langsam“. Immer, wenn wir in Hektik geraten, geraten wir auch in Stress. Wir werden unachtsam und können letztendlich gar nicht wahrnehmen, was wirklich um uns herum geschieht. Also versuche, dich zu sammeln – atme tief durch und nimm jeden Handgriff bewusst wahr. Eins nach dem anderen, in einem Tempo, das dir zunächst vielleicht eher zu langsam vorkommt. Aber mit etwas Übung bringt es dich in einen entspannten Arbeitsmodus.
  2. Schaffe kleine Alltagsrituale. Je nachdem, wie dein Tag gestaltet ist, nimm dir bewusst eine für dich passende Zeit und arbeite wirklich ungestört für einen begrenzten Zeitraum an deiner Ordnung. Stell dir am besten eine Eieruhr oder den Handy-Timer auf eine Viertelstunde und fokussiere dich auf das, was jetzt dran ist. Du kannst dir diese Zeit auch als Medien-frei einrichten, dann hast du zumindest eine kleine Zeit-Insel im Alltag, in der du dich abkoppelst von den vielen Reizen, mit denen wir im Alltag permanent konfrontiert sind. Du kannst natürlich auch mehrere dieser Zeit-Inseln hintereinander reihen, immer mit einer kleinen Pause dazwischen.
  3. Freu dich über das, was du geschafft hast! Das klingt einfach, doch wir sind meistens auf das konzentriert, was wir noch zu tun haben, anstatt uns über die sichtbaren Fortschritte zu freuen. Das zu ändern ist ein bewusster Vorgang und bringt dir einiges an Leichtigkeit und Freude, wenn du geübt darin bist. Bring dir und deiner Leistung Wertschätzung entgegen – dieser Punkt ist nicht nur beim Aufräumen, sondern generell sehr bereichernd. Sich selbst zu loben ist eher verpönt und fällt uns schwer. Aber inzwischen ist bekannt, dass sich die Art und Weise, mit der wir uns selbst begegnen, maßgeblich auf unsere Lebensqualität auswirkt.
  4. Vergiss Perfektionismus. Es geht niemals darum, perfekt zu sein – es geht darum, das für dich momentan Bestmögliche zu erreichen. Fang einfach an. Überleg dir, welcher Bereich deines Wohnraums am wichtigsten ist und dann fang an. Am Besten zunächst mit dem, was leichter fällt, wenn es um Ausmisten geht. Aber auch beim täglichen Aufräumen gilt: Alles, was schnell erledigt ist, möglichst zuerst erledigen. (Die Tasse auf der Spülmaschine in die Spülmaschine zu räumen ist ein typisches Beispiel). Wenn du dann richtig in Schwung bist, fallen auch schwierigere Aufgaben plötzlich leichter und du kommst in einen schönen Arbeitsflow. Bleib auch hier achtsam und übernimm dich nicht, sondern denk an Schritt 1 und mach langsam aber nachhaltig.
  5. Konsumiere bewusster. Wer keinen Überblick mehr über seine Sachen hat, kauft nach. Obwohl es noch eine Schublade gibt, in der genau diese Dinge vorrätig sind. Bewusster Konsum bedeutet in diesem Fall, dass du genau weißt, was du zu Hause hast und nur dann etwas kaufst, wenn du es wirklich brauchst. Ansonsten entsteht ein Anhäufen von überflüssigen Dingen, die dir Platz wegnehmen. Vielleicht verderben sie sogar, so dass du sie wegwerfen musst. Und damit hast du sowohl dein Geld als auch Ressourcen verschwendet.

Gewiss ist die Liste nicht vollständig – aber es sollte kein Problem sein, dir den Teil heraus zu suchen, der für dich passt. Es geht nicht darum, sofort alles umzusetzen, sondern um einen Anfang zu finden, bewusster mit dir selbst und den Dingen umzugehen, die dich umgeben.

 

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