Sie wissen genau, was zu tun wäre. Die Post liegt seit Tagen auf dem Küchentisch. Die Wäsche wartet im Trockner. Im Flur stehen Dinge, die eigentlich längst an ihren Platz müssten. Und irgendwo dazwischen liegt noch diese eine Rechnung, die Sie unbedingt erledigen wollten. Eigentlich kein großes Problem. Und trotzdem fühlt es sich manchmal an, als wäre es eines.
Sie nehmen sich vor, endlich Ordnung zu schaffen. Sie sehen das Chaos. Sie wissen sogar ziemlich genau, womit Sie anfangen könnten. Und dann passiert … nichts. Das kann ausgesprochen frustrierend sein. Gerade Menschen mit ADHS kennen dieses Gefühl häufig sehr gut. Und nein: Es bedeutet nicht automatisch, dass Sie faul, undiszipliniert oder einfach „schlecht organisiert“ sind. Denn ADHS und Ordnung haben eine Verbindung, über die viel zu selten gesprochen wird.
Aufräumen ist viel mehr als Aufräumen
Von außen sieht Aufräumen simpel aus: Sachen nehmen, Sachen sortieren, Sachen weglegen, fertig. Unser Gehirn erledigt dabei allerdings eine ganze Reihe kleiner Aufgaben. Was ist das? Wo gehört es hin? Brauche ich es noch? Was mache ich damit? Was ist jetzt wichtiger? Soll ich das gleich erledigen? Und was war eigentlich mein ursprünglicher Plan?
Bei zehn Gegenständen sind das vielleicht zehn kleine Entscheidungen. Bei einem ganzen Zimmer können daraus sehr schnell Dutzende werden. Und genau hier kann ADHS und Ordnung zu einer besonderen Herausforderung werden. Denn Funktionen wie Aufgaben zu beginnen, Prioritäten zu setzen, Entscheidungen zu treffen oder eine Handlung konsequent zu Ende zu führen, können bei ADHS schwieriger sein.
Das Interessante daran: Es geht nicht unbedingt darum, dass Sie nicht wissen, wie Ordnung funktioniert. Sie kommen nur manchmal nicht ins Tun.
„Ich kann doch sonst auch alles!“
Das ist einer der Punkte, die besonders verwirrend sein können. Vielleicht sind Sie beruflich hervorragend organisiert. Sie führen ein Unternehmen, koordinieren Termine, lösen komplizierte Probleme und haben Ihren Alltag eigentlich gut im Griff. Und dann steht da diese eine Wäscheladung. Seit Dienstag. Das passt überhaupt nicht zusammen.
Doch genau das ist möglich. ADHS bedeutet nicht, dass jemand grundsätzlich unorganisiert ist. Es kann vielmehr bedeuten, dass bestimmte Aufgaben sehr viel mehr mentale Energie benötigen als andere. Eine spannende Aufgabe kann plötzlich erstaunlich leicht von der Hand gehen. Eine langweilige, kleinteilige oder wenig belohnende Aufgabe dagegen fühlt sich an wie ein Berg.
Und Aufräumen besteht leider aus ziemlich vielen dieser kleinen Aufgaben.
Der schwierigste Schritt ist oft der erste
„Fangen Sie einfach an.“ Ein gut gemeinter Rat. Nur leider nicht immer ein besonders hilfreicher. Denn wenn vor Ihnen ein kompletter Raum voller Dinge liegt, ist „anfangen“ selbst schon eine Aufgabe.
Womit? Mit der Kommode? Mit der Post? Mit den Kleidern? Mit dem Geschirr? Was soll bleiben? Was kann weg? Wo soll das alles hin? Und plötzlich ist aus „Ich räume kurz auf“ ein ziemlich großes Projekt geworden.
Dann macht das Gehirn etwas durchaus Verständliches: Es sucht sich etwas anderes. Eine E-Mail beantworten. Kurz aufs Handy schauen. Noch schnell etwas einkaufen. Oder – besonders beliebt – zunächst einmal einen Kaffee machen.
Das Chaos bleibt. Und mit ihm wächst das schlechte Gefühl.
Sie wissen genau, was zu tun wäre. Die Post liegt seit Tagen auf dem Küchentisch. Die Wäsche wartet im Trockner. Im Flur stehen Dinge, die eigentlich längst an ihren Platz müssten. Und irgendwo dazwischen liegt noch diese eine Rechnung, die Sie unbedingt erledigen wollten. Eigentlich kein großes Problem. Und trotzdem fühlt es sich manchmal an, als wäre es eines.
Sie nehmen sich vor, endlich Ordnung zu schaffen. Sie sehen das Chaos. Sie wissen sogar ziemlich genau, womit Sie anfangen könnten. Und dann passiert … nichts. Das kann ausgesprochen frustrierend sein. Gerade Menschen mit ADHS kennen dieses Gefühl häufig sehr gut. Und nein: Es bedeutet nicht automatisch, dass Sie faul, undiszipliniert oder einfach „schlecht organisiert“ sind. Denn ADHS und Ordnung haben eine Verbindung, über die viel zu selten gesprochen wird.
Aufräumen ist viel mehr als Aufräumen
Von außen sieht Aufräumen simpel aus: Sachen nehmen, Sachen sortieren, Sachen weglegen, fertig. Unser Gehirn erledigt dabei allerdings eine ganze Reihe kleiner Aufgaben. Was ist das? Wo gehört es hin? Brauche ich es noch? Was mache ich damit? Was ist jetzt wichtiger? Soll ich das gleich erledigen? Und was war eigentlich mein ursprünglicher Plan?
Bei zehn Gegenständen sind das vielleicht zehn kleine Entscheidungen. Bei einem ganzen Zimmer können daraus sehr schnell Dutzende werden. Und genau hier kann ADHS und Ordnung zu einer besonderen Herausforderung werden. Denn Funktionen wie Aufgaben zu beginnen, Prioritäten zu setzen, Entscheidungen zu treffen oder eine Handlung konsequent zu Ende zu führen, können bei ADHS schwieriger sein.
Das Interessante daran: Es geht nicht unbedingt darum, dass Sie nicht wissen, wie Ordnung funktioniert. Sie kommen nur manchmal nicht ins Tun.
„Ich kann doch sonst auch alles!“
Das ist einer der Punkte, die besonders verwirrend sein können. Vielleicht sind Sie beruflich hervorragend organisiert. Sie führen ein Unternehmen, koordinieren Termine, lösen komplizierte Probleme und haben Ihren Alltag eigentlich gut im Griff. Und dann steht da diese eine Wäscheladung. Seit Dienstag. Das passt überhaupt nicht zusammen.
Doch genau das ist möglich. ADHS bedeutet nicht, dass jemand grundsätzlich unorganisiert ist. Es kann vielmehr bedeuten, dass bestimmte Aufgaben sehr viel mehr mentale Energie benötigen als andere. Eine spannende Aufgabe kann plötzlich erstaunlich leicht von der Hand gehen. Eine langweilige, kleinteilige oder wenig belohnende Aufgabe dagegen fühlt sich an wie ein Berg.
Und Aufräumen besteht leider aus ziemlich vielen dieser kleinen Aufgaben.
Der schwierigste Schritt ist oft der erste
„Fangen Sie einfach an.“ Ein gut gemeinter Rat. Nur leider nicht immer ein besonders hilfreicher. Denn wenn vor Ihnen ein kompletter Raum voller Dinge liegt, ist „anfangen“ selbst schon eine Aufgabe.
Womit? Mit der Kommode? Mit der Post? Mit den Kleidern? Mit dem Geschirr? Was soll bleiben? Was kann weg? Wo soll das alles hin? Und plötzlich ist aus „Ich räume kurz auf“ ein ziemlich großes Projekt geworden.
Dann macht das Gehirn etwas durchaus Verständliches: Es sucht sich etwas anderes. Eine E-Mail beantworten. Kurz aufs Handy schauen. Noch schnell etwas einkaufen. Oder – besonders beliebt – zunächst einmal einen Kaffee machen.
Das Chaos bleibt. Und mit ihm wächst das schlechte Gefühl.
Wenn aus Unordnung Überforderung wird
Unordnung ist nicht nur eine Ansammlung von Gegenständen. Sie kann sich irgendwann wie eine Ansammlung von offenen Aufgaben anfühlen. Jeder Stapel erinnert an etwas. Jede herumliegende Tasche scheint zu sagen: „Sie sollten sich um mich kümmern.“ Jeder ungeöffnete Brief wird zu einer kleinen Mahnung.
Und irgendwann ist der Raum nicht mehr einfach unordentlich. Er fühlt sich laut an.
Gerade dann hilft es selten, sich selbst noch mehr Druck zu machen. „Jetzt reißen Sie sich doch zusammen.“ „Das kann doch nicht so schwer sein.“ „Andere schaffen das doch auch.“ Solche Sätze machen einen überfordernden Raum nicht übersichtlicher. Sie machen nur das eigene Gefühl dabei schlechter.
Eine gute Ordnung muss nicht perfekt sein
Hier kommt ein Gedanke ins Spiel, den ich bei der professionellen Ordnungshilfe besonders wichtig finde: Ein Ordnungssystem muss zum Menschen passen. Nicht umgekehrt.
Vielleicht ist es für Sie überhaupt nicht sinnvoll, Dinge in fünf verschiedenen Kategorien zu sortieren. Vielleicht brauchen Sie offene Körbe, weil Sie sonst vergessen, was darin liegt. Vielleicht ist ein bestimmter Gegenstand am besten dort aufgehoben, wo Sie ihn tatsächlich benutzen – und nicht dort, wo er theoretisch hingehört. Vielleicht brauchen Sie eine sichtbare Ablage für Dinge, die noch erledigt werden müssen.
Und vielleicht ist ein perfekt eingerichteter Schrank gar keine Hilfe, wenn Sie jedes Mal drei Handgriffe brauchen, um etwas hineinzulegen.
Das ist kein Versagen. Das ist eine wichtige Information.
Die Frage lautet nicht: „Warum sind Sie nicht ordentlicher?“
Die bessere Frage lautet: „Was würde Ihnen Ordnung leichter machen?“
Das verändert die Perspektive. Vielleicht braucht Ihr Zuhause weniger Kategorien. Vielleicht weniger Dinge. Vielleicht mehr Sichtbarkeit. Vielleicht kürzere Wege. Vielleicht feste Plätze für die Dinge, die ständig herumwandern. Oder vielleicht brauchen Sie zunächst jemanden, der gemeinsam mit Ihnen herausfindet, wo genau die Hürde liegt.
Denn manchmal ist gar nicht das Aufräumen das Problem. Manchmal ist es das Aussortieren. Manchmal die Entscheidung. Manchmal der fehlende Platz. Manchmal ein viel zu kompliziertes Ordnungssystem. Und manchmal ist schlicht alles gleichzeitig zu viel.
Kleine Veränderungen können einen großen Unterschied machen
Wenn Sie gerade vor einem solchen „Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll“-Moment stehen, versuchen Sie nicht, Ihr gesamtes Zuhause in Ordnung zu bringen. Nehmen Sie eine einzige Fläche: den Küchentisch, eine Kommode oder eine Schublade. Nicht mehr.
Und dann stellen Sie sich nur diese eine Frage: Was kann hier weg?
Nicht: „Wo gehört alles hin?“ Nicht: „Wie bekomme ich jetzt die ganze Küche ordentlich?“ Nur: „Was kann weg?“
Weniger Entscheidungen bedeuten weniger Widerstand. Und wenn zehn Minuten alles sind, die heute möglich sind, dann sind zehn Minuten eben zehn Minuten. Ordnung muss nicht in einem heroischen Aufräummarathon entstehen. Sie darf auch in kleinen Schritten entstehen.
Und vielleicht braucht es gar nicht mehr Disziplin.
Das ist für mich der wichtigste Gedanke beim Thema ADHS und Ordnung: Vielleicht brauchen Sie nicht mehr Disziplin. Vielleicht brauchen Sie ein anderes System.
Eines, das Ihre tatsächlichen Gewohnheiten berücksichtigt. Eines, das nicht zusammenbricht, wenn einmal eine anstrengende Woche dazwischenkommt. Eines, bei dem die Dinge leicht zurück an ihren Platz finden. Und eines, das nicht voraussetzt, dass Sie jeden Tag perfekt funktionieren.
Denn ein gutes Ordnungssystem erkennt man nicht daran, wie schön es am Tag nach dem Aufräumen aussieht. Man erkennt es daran, wie gut es im ganz normalen Leben funktioniert. Auch am Dienstagabend. Auch wenn die Energie fehlt. Auch wenn der Trockner wieder voll ist. Und vielleicht sogar dann, wenn auf dem Sofa gerade der Hund liegt.
Im nächsten Teil
Warum funktionieren viele klassische Ordnungstipps bei Menschen mit ADHS nicht besonders gut? Warum können geschlossene Schränke, komplizierte Sortiersysteme und „alles muss seinen Platz haben“ sogar zum Problem werden?
Darum geht es im zweiten Teil dieser Serie: um Ordnungssysteme, die nicht perfekt aussehen müssen, sondern im echten Leben funktionieren.
